Vielleicht lag es am sonnigen Wetter. Kurz vor Einlass tummelten sich nur knapp 30 Besucher im Eingang der Stadthalle Ratingen. Als der nette, junge Mann mit den langen Haaren und dem wichtigen Kopfhörer am Ohr den Durchgang freigab, verlor sich die kleine Meute sofort in den drei großen Räumen. Geradeaus die große Halle mit dem Flohmarkt auf der Bühne, halbrechts die Spieleautoren. Direkt vor uns ein paar Tische und Stände. Ein kleiner Rundgang verschaffte einen Überblick, schließlich waren wir zu ersten Mal hier. Spontan fühlte ich mich an die kleinen Comic-Börsen erinnert, die in den späten 80ern und 90ern überall in den Rathäusern und Jugendzentren im Ruhrgebiet wie Pilze aus den Boden schossen. Ja, hier würde es mir gefallen.

Zunächst ging es in die große Halle. Direkt links der Carsten mit seinem Schwerkraft-Verlag. Mit Räuber der Nordsee, Terraforming Mars, Katakomben und dem Backing von Catacombs & Castle war ich praktisch seit der Messe im Oktober Stammkunde. In der Auslage dort lag auch das Tiny, epic galaxies, welches mich aber trotz prominenter Bespielung bei Hrn. Wheaton auch für 22 Euro nicht überzeugen konnte. Schnell eine Ersatzteilfrage geklärt. Einfache Lösung: Wir verabredeten uns für den Herner Spielewahnsinn und er kann Ersatz mitbringen – perfekt für mich.

valletta

Auf den Tischen stand Valleta. Schnell mal in die Regeln geschaut: Irgendwo zwischen Dominion und Catan. Dadurch aber irgendwie wesentlich komplexer. Später ein paar Spielern zugesehen. Es schien Spaß zu machen. Fazit: Noch mal ansehen, wenn möglich spielen. Bei der späteren Recherche dann über diese Geschichte gestolpert: Ein Malteser beschwert sich im BGG-Forum über den Cover-Entwurf, der damals wohl Spitzdächer über Valletta zeigte. Klemens Franz bedankt sich kurzerhand, nimmt das Feedback auf, stimmt den Auftraggeber um und siehe da: Im finalen Produkt sind die Dächer flach – wie im echten Leben! Soviel zum Thema: Mit Kritik umgehen.

The Ruhr Valley

Schon an mehreren Stellen hatte Thomas Spitzer angekündigt, die Haspelknecht-Erweiterung in Ratingen dabei zu haben. Haspelknecht selbst ist komplex, aber das Thema ist erstaunlich bodenständig. Man merkt, dass die Thematik immer schon Teil des Spieles (und nicht drübergestülpt) war. Ein bisschen Pottkultur und -geschichte, ein faszinierender Drafting-Mechanismus auf den Resourcen-Plättchen… es gab vieles, was mir an dem Spiel gefiel.

 

Bedächtig näherte ich mich dem Tisch an der Wand, hatte ich Hrn. Spitzer doch schon erspäht. Ruhrpott-typisch grummelig schauten mich die beiden Herren an und als es sich nicht vermeiden ließ, luden sie mich zu einer Partie. Unterschiedliche Flöze pro Spieler, das wandlungsfähige Eisen, Tausch-Errungenschaften und eine neue Reihe Plättchen machen die Erweiterung The Ruhr Valley zu einer fast obligatorischen Ergänzung des Grundspieles. Thomas zog uns ab.

theruhrvalley

Mit Abstand. Ich verwickelte mich in vermeintliche late winner (3 Wasser = 1 Siegpunkt), die sich am Ende aber als nicht stark genug herausstellten. Auch das Drafting auf den Resourcen wurde von meinen Gegenspieler viel intensiver und vor allem gemeiner betrieben, als von mir. Als ich schon dachte, ich könnte einen beachtlichen zweiten Platz erreichen, kamen die Schuldscheine für das Vernachlässigen des Adels in Jahr 3. Stürzen, aufstehen, Krone richten und … schnell eine von 8 verfügbaren Frühexemplaren von The Ruhr Valley in die Tasche packen. Danke, Thomas und unbekannter, mit holländischem Akzent sprechendem Tischnachbar! Hat mir viel Spaß gemacht.

Kaddy

Gestärkt durch meine gefühlt errungene Verbundenheit mit der Prominenz, bewegte ich mich gekonnt über den roten Teppich der Spiele-Autoren und -Rezensenten. Nach einem Intermezzo bei den Schafen und Dieben bei Pegasus, welches uns als Familie nicht komplett überzeugen konnte (nicht gekauft), fiel mein Blick in der äußeren Halle auf einen für die Größe der Veranstaltung doch beachtlichen Aborea-Stand. Nach Dungeonslayer war Aborea das einzige Blätterwerk, welches ich zum Konsum bereit war. Als alter Bleistift-und-Papier-Spieler war ich der seitenschwangeren Hochpreis-Produkte der bekannten Verlage überdrüssig geworden. Mehr Seiten produzierten nicht zwangsläufig mehr Qualität, sondern vor allem künstlich-längere Abenteuer. Ich näherte mich also dem Stand, ohne der Dame hinter dem Tisch willentlich meine Kaufabsicht zu verraten und lauschte dem Verkaufsgespräch mit einem anderen Interessenten.

Da die Spielfritte schon vor allem auf Facebook Fotos aus der DumeklemmerHalle veröffentlicht hatte, hatte ich damit gerechnet, einen von den Verrückten hier zu treffen. Ich hätte aber nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Kaddy nun hier hinter dem Aborea-Stand zu finden war – was sie für mich praktisch noch mal eine ganze Ecke sympathischer machte, als ohnehin. Sie erklärte mir nett und kurz, was über Aborea zu wissen war, wir schauten uns den beeindruckenden Atlas an und sie versteckte für mich den letzten, überarbeiteten Spiel-Leiterschirm unter dem Ladentisch (pssst!).

Bis zum nächsten Jahr!

Schnell noch einen weiteren Rundgang, denn die Sonne zog uns nach draußen. Ein kurze Prüfung der Devisen. Ja, es waren noch ein paar Reserven da. Also noch einmal zu Aborea, Box und Schirm gekauft und einen Bleistift abgestaubt (danke!). Vielleicht sieht man sich mal wieder.

Ratingen, Herr Fedder, es hat mir sehr gut gefallen! Familiäre Atmosphäre, überschaubar, weniger nach Aufmerksamkeit heischend. Warum hatte ich diese Veranstaltungen so lange ignoriert? Essen verblasst neben diesem freundlichen Treffen der Gleichgesinnten. Nächste Station: Herner Spielewahnsinn. Wir sehen uns dort! Und nächstes Jahr wieder in Ratingen.

Epilog

Zu diesem, nach langer Blog-Abstinenz verfassten Artikel animiert hat mich übrigens der Markus von spielkinder.essen. Es gibt eben doch noch richtige Blogs. Danke dafür.