Die Götter sind uns wohlgesonnen. Zumindest, wenn wir ihnen Opfer bringen. Darum lohnt es sich, stets auf den Besuch des Stammesdruiden vorbereitet zu sein. Nebenbei bauen wir Siedlungen und Tempel und lassen unseren Untertanen Güter erwirtschaften: In Minen, auf dem Feld, im Wald und im Steinbruch. Wenn die letzten Siedlungen gebaut werden, gilt es: Wer die meiste Göttersgunst angesammelt hat, gewinnt.

Stefan Dorra und Ralf zur Linde, die Macher der Gum Gum Machine, bescheren uns Meduris – Der Ruf der Götter aus der Familienspiel-Reihe von HABA. Spielbar für 2-4 Spieler, mit einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten.

Bild der Spielepackung Meduris

Meduris – Der Ruf der Götter, erschienen bei HABA

Die Aufmachung ist – gewohnt HABA – toll: Spielsteine aus Holz, wunderbare Illustrationen, ein besonderer Würfel, hochwertiger Druck. Das Spiel selbst kommt mit 2 Spielplänen daher: Für 2-3 und für 4 Spieler. Jeder Spieler erhält Arbeiter, Hütten und Tempel und einen kleinen Sichtschirm, hinter dem er seine erwirtschafteten Rohstoffe vor den Blicken der Mitspieler verbergen kann. Gespielt wird reihum, jeder Spieler hat in seinem Zug 2 Phasen: Einfaches Erwirtschaften mit ein wenig Würfelglück und darauf eine Aktion, entweder weiteres Erwirtschaften, Hütten- oder Tempelbau.

Baut der Spieler eine Hütte, wird der Druide in Gang gesetzt. Er klappert bis zur nächsten Lücke alle Hütten im Kreis ab und verlangt Opfergaben. In größeren Siedlungen – mehrere Hütten direkt nebeneinander – und bei vollständiger Abgabe der verlangten Güter, hagelt es Göttergunst, die auf der Rahmenleiste abgetragen wird. Baue ich Hütten zu Siedlungen zusammen, gibt es mehr Punkte, aber der Bau wird auch teurer. Tempel können auch gebaut werden, die geben jedoch erst am Spielende Punkte. Baue ich eine Hütte in einer Sektion mit bestimmten Runen auf den Feldern, bekomme ich den dazugehörigen Runenstein, der ebenfalls Punkte liefert. Dieser kann jedoch wandern, sobald der nächste Spieler seine Hütte dort baut.

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Wie spielt es sich?

Nach dem Einstieg spielt sich das Spiel relativ flüssig, allerdings fühlt man sich nur wenig in die Story und Atmosphäre hineingezogen. Meist bleibt ohnehin nur eine Aktion zur Entscheidung, entweder Hütte bauen oder Güter erwirtschaften. So geht Runde um Runde vorbei, ohne das nennenswerte Interaktion der Spieler stattfindet. Jeder baut für sich. Spannend wird es kurz, wenn man sich Runensteine sichern will oder Möglichkeiten zu Siedlungen schafft oder zunichte macht. Aber ein richtiger Aufreger findet nicht statt. Wer kaum baut und nur Rohstoffe hortet, blockiert die anderen Spieler und gewinnt – denn die letzte Runde des Druiden kann von keinem mehr bezahlt werden. Das Horten von Gütern wird allerdings auch nicht bestraft. Easy win.

Zu viert auf dem 2-Spieler-Brett

Bei manchen Spielen braucht man etwas, bis sie am Tisch komplett verstanden werden. Leider ist das meist eine Prüfung der Geduld – vor allem für Kinder. Meduris ist schon ganz schön komplex und man muss immer wieder die Anleitung zu Rate ziehen. Die ist allerdings eine eigene Herausforderung.

Das Spieleteam hat sich Mühe gegeben, den Spieler über eine stufenweise Anleitung an die Komplexität des Spieles heranzuführen. Das hat bei uns überhaupt gar nicht geklappt. Wir haben durch das Rumblättern in der Anleitung am Anfang viel Zeit verloren, da man nicht wusste, in welchem Schwierigkeitsbereich denn jetzt welche Regel verborgen liegt. Wir haben die ersten beiden Spiele komplett falsch gewertet und sind erst am Ende der zweiten Partie darauf gekommen, wie das mit der Wertung richtig geht. Das kann natürlich an uns gelegen haben. Aber ich glaube, HABA könnte sich die Regel noch einmal zu Gemüte führen. Ein alles-auf-einen-Blick-Cheatsheet zum Herunterladen wäre toll.

Fazit

HABA setzt die Familienspiel-Reihe fort, kann aber an das sympathische, witzige und schnelle Karuba nicht anschließen. Meduris – Der Ruf der Götter wirkt fast mechanisch. Trotz der tollen Anmutung und der für HABA typischen, hohen Qualität des Spielmaterials, kommt am Tisch keine Stimmung auf. Es fehlt Interaktion zwischen den Spielern. Entweder man spielt zusammen oder komplett gegeneinander, aber bei Meduris spielt man irgendwie aneinander vorbei. Der Ruf der Götter wird nicht gehört. Ich hatte dem Spiel in Essen aufgrund von Karuba den Zuschlag gegeben – auch, weil ich dieses Medieval-Setting mag, aber leider hält es nicht so recht, was es verspricht. Vielleicht taucht es auch deshalb in den vielen Essen-Nachberichten nicht auf. Wir werden das Spiel noch ein paar Mal spielen und ich revidiere diese Meinung dann gerne, im Moment sieht es aber wie ein Regal-Dauerbewohner aus.